Josef Karl Rädler: „Ich malte tausend Aquarelle heiter“

Seit Oktober 2018 stellen wir in unseren Räumen Bilder des Malers Josef Karl Rädler (1844 – 1917) aus. Am 14. November 2018 luden wir zum Talk „Ich malte tausend Aquarelle heiter“, bei dem die Kuratorin Angela Stief und der Galerist Ferdinand Altnöder über das Leben und Werken des Malerphilosophen sprachen.

Die Schau zu Josef Karl Rädler, die in Zusammenarbeit mit der Galerie Altnöder, Salzburg, entstanden ist, bildet den Auftakt der Ausstellungstätigkeit der Österreichischen Gesellschaft vom Goldenen Kreuze, die zwei Mal im Jahr Präsentationen von Künstlern und Künstlerinnen der sogenannten Outsider-Szene in ihren Räumlichkeiten veranstaltet.

Ausstellungsdauer: 4.10.2018 – 6.1.2019
Öffnungszeiten der Ausstellung: 10 – 19 Uhr montags und gegen Voranmeldung

Kuratorin: Angela Stief

Der Link zur Online-Fotogalerie: https://www.flickr.com/gp/99439443@N00/i79M5L

 

AUSSTELLUNG JOSEF KARL RÄDLER

Porzellanmalermeister, lachender Philosoph, Mitreformator, Menschheitsapostel, Hofmaler von Österreich, Siam und Italien

Die Anerkennung seines Oeuvres und die Begeisterung für seine künstlerische Tätigkeit, die andere mit ihm hätten teilen können, blieb Josef Karl Rädler Zeit seines Lebens verwehrt. Rädler, der 1844 in Falkenau, Böhmen, geboren wurde und 1917 in Wien starb, ist ein typischer Fall einer gesellschaftlichen Stigmatisierung und ein trauriges Beispiel eines Ausschlusses aus einem sozialen Gefüge, das seine ästhetischen Leistungen nicht honorieren wollte oder konnte. Bevor der Künstler 1893 wohl auf Veranlassung seiner Familie in das damals sogenannte Wiener Irrenhaus interniert wurde, war er Porzellanmalermeister und Leiter eines weltweit tätigen Unternehmens in Wien. Dann, in der Isolation – weg gesperrt und für krank erklärt – entdeckte Rädler seine Obsession und begann auf Papier mit Aquarellfarbe, Tempera, farbiger Tinte und Tusche zu malen, zu schreiben und zu zeichnen. Er arbeitete fast jeden Tag und dokumentierte auf humorvolle und tiefsinnige Art und Weise die verhaltenen Stimmungen seines Alltags in der Klinik, fertigte Porträts der Patienten an, stellte sie beim Spielen, Lesen, Baden, Essen, Trinken und Rauchen dar. Die insgesamt über 1000 doppelseitig bearbeiteten Blätter, die in den 1960er-Jahren lange nach dem Tod des Künstlers im Abfall einer Klinik entdeckt wurden, sind durchwegs in einem unverbildeten Duktus ausgeführt. Rädler, der stets ein guter Beobachter seines Lebensumfeldes war und seiner Passion mit großer Akribie nachging, liebte den Detailreichtum: Er schmückte die Ränder seiner Bilder mit präzise gemalten Rahmen, die aus ornamentalen Mustern und vegetativen Ranken bestehen. Romantisch anmutende Naturimpressionen, Bäume, Blumen, Vögel, rote Sonnenauf- und -untergänge sowie tiefblaue Nachthimmel mit Mond und Sternen verleihen dem Werk einen poetischen Charakter mit eskapistischen Zügen.

Einen großen Teil der Blätter nehmen Texte in feiner, schwer leserlicher Schreibschrift ein. Es sind sowohl zeitkritische Erläuterungen als auch poetische Ergüsse und moralische Empfehlungen, die er manchmal in Reimform verfasst hatte. Sie zeugen von seiner Wortgewalt und einer Vehemenz, mit der er seine Einstellungen wohl auch in seinem Alltag vertreten haben muss. Die zahlreichen Selbstbezeichnungen wie etwa Menschheitsapostel und Mitreformator, die auf den Arbeiten überliefert sind, lassen seine Gesinnung erkennen. „War immer Pazifist“ betonte er des öfteren und erklärte: „Schaut her, welch’ schöner Pfad es ist als lachender Philosoph“. Kurz nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs schreibt Rädler: „Es ist für ganz Europa eine Schande doch, Daß Mensch gegen Mensch muß Krieg führen … Im erwürgen und morden, was ist da zu profitieren? – Menschen und Kulturen vernichten!!! – Wo die Menschheit will leben in Frieden! Macht aus Mordwaffen Blitzableiter und Pflugschaaren …” Außerdem setzte er sich schon zu Beginn des Jahrhunderts für die Frauenrechte ein. 1916, also zur Zeit des ersten Weltkriegs, schrieb er: „Nachkommen! Denkerinnen! Denker! Gebet den Frauen gleiche Rechte! Denn sie zeugen und säugen die Kinder! Nie mehr wollen sie sein diesen Lästermänner die Mägde!“ Trotz der Kritik, die Rädler in seinem Werk formulierte, erkennt man auch, dass er gelernt hatte, nicht mit seinem Schicksal zu hadern: „Mein Glück ist die Philosophie in der Freiheit. Juchhe! Juchhe! Meine Zufriedenheit, Bescheidenheit ist von der Kunst – Malerei, Poesie.“

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