Wichtige Änderungen im Bereich der Pflege und Betreuung

Die selbständige Personenbetreuung (24-Stunden-Betreuung) erhält in der öffentlichen Diskussion viel Aufmerksamkeit. Nahmen 2008 rund 3.200 Personen staatliche Förderung für die 24-Stunden-Betreuung in Anspruch, so waren es 2015 bereits fast 22.000, und aktuell sind es schon mehr als 45.000 Personen. Die tatsächliche Zahl derer, die eine 24-Stunden-Betreuung in Anspruch nehmen ist noch höher, denn nicht alle beziehen die entsprechende Förderleistung.

Als Interessenvertreterin der selbständigen Personenbetreuerinnen und -betreuer sowie der Vermittlungsagenturen hat die Wirtschaftskammer in den vergangenen Jahren große Anstrengungen unternommen, um die Rahmenbedingungen so mitzugestalten, dass selbständige Betreuungsdienstleistungen in größtmöglicher Qualität angeboten werden können. In einem ersten Schritt wurde eine Trennung der beiden Gewerbe (Vermittlung/Betreuung) erreicht. Für die Vermittlungsagenturen wurden rigide, gesetzlich geltende Standes- und Ausübungsregeln eingeführt. (https://www.wko.at/branchen/vbg/gewerbe-handwerk/personenberatung-betreuung/127_Standesregeln_Organisation-von-Personenbetreuung.pdf)

Für noch mehr Kundinnen- und Kundensicherheit hat die Wiener und die Niederösterreichische Fachgruppe Personenberatung und Personenbetreuung die Entwicklung eines gleichermaßen strengen wie praxisorientierten Gütesiegels für Vermittlungsagenturen angestoßen, das in den kommenden Monaten vom Sozialministerium ausgerollt wird. Agenturen, die ihre Vermittlungsdienstleistung in einer hohen Qualität und nach ethischen und gesetzlichen Richtlinien anbieten, haben mit dem Gütesiegel die Möglichkeit dies nach außen, für Kundinnen und Kunden sichtbar darzustellen. Wenn Sie als Kundin, als Kunde auf der Suche nach einer passenden Vermittlungsagentur sind, können sie in Zukunft auf das Gütesiegel vertrauen.

In einem nächsten Schritt arbeitet die Wirtschaftskammer bereits intensiv an einer Zertifizierung für Personenbetreuerinnen und Personenbetreuer. Mit dem Blick auf die anstehende Pflegereform der Bundesregierung besteht die Hoffnung, eine zusätzliche Förderung für die 24-Stunden-Betreuung mit der geplanten Zertifizierung zu verknüpfen. Damit würde das Angebot für mehr Menschen leistbar. So können auch die rund 950.000 betroffenen pflegenden Angehörigen weiter entlastet werden.

Die wachsende Bedeutung der selbständigen Personenbetreuung steht jedoch nicht in Konkurrenz zur professionellen Fachpflege durch diplomierte Pflegepersonen. Die Betätigungsfelder der selbstständigen Personenbetreuung sind klar abgegrenzt. Es ist gesetzlich geregelt, dass ärztliche und pflegerische Tätigkeiten nur übernommen werden dürfen, wenn die Ärztin/der Arzt oder eine diplomierte Pflegeperson dem zustimmen und dort wo es notwendig ist entsprechende schriftliche Anordnung ausstellen. Dadurch ergibt sich die Notwendigkeit einer berufsübergreifenden Zusammenarbeit. Können Ärztinnen und Ärzte die notwendigen Maßnahmen in ihre Tätigkeit im Rahmen von Hausbesuchen noch eher integrieren, gibt es noch keine optimale Lösung für die Organisation der Einbindung der diplomierten Pflegepersonen. Zumeist ist es der Kostenfaktor, der Angehörige dazu verleitet auf die Zusammenarbeit mit diplomierten Fachkräften zu verzichten. Mittel- und langfristig gesehen spart die Einbindung einer Fachkraft Kosten, da Risiken erkannt werden und prophylaktische Maßnahmen gesetzt werden können. Mehrere Spitalsaufenthalte können so verhindert werden.

Mario Tasotti erlebt als Geschäftsführer der Vermittlungsagentur LebensWerte die Herausforderungen in der Personenbetreuung  Tag für Tag und engagiert sich auch als stellvertretender Obmann der Fachgruppe Personenberatung und Personenbetreuung in der Wirtschaftskammer Wien. Er steht Ihnen bei Fragen gerne und unverbindlich zur Verfügung.

Elisabeth Hahn, DGKP, akademische Gesundheits- und Pflegeberatung, Geschäftsführung von Meinpflegegeld.at beschäftigt sich intensiv mit dem Thema der selbstständigen Personenbetreuung, bietet die Qualitätssicherung durch eine DGKP an und arbeitet in Projekten der WKO mit.

 

Elisabeth Hahn
akademische Gesundheits- und Pflegeberatung, Consulting
www.meinpflegegeld.at
www.oeggk.at/meinpflegegeld-at
e.hahn@meinpflegegeld.at

Mario Tasotti
Geschäftsführung der Vermittlungsagentur LebensWerte
www.lebens-werte.at
mario.tasotti@lebens-werte.at

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