Die Vereinsgeschichte

Über 130 Jahre Vereinstätigkeit als Leitfaden für die Zukunft

Hören Sie HIER Worte von Dr. Wilhelm Gloss, Präsident der ÖGGK, und Mag. Cornelia Obermeier, Verwaltungsdirektorin der Privatklinik Goldenes Kreuz, sowie Auszüge aus den historischen Gästebüchern, gelesen von Denise Seifert und Prof. Arnold Mettnitzer!

Der Verein Österreichische Gesellschaft vom Goldenen Kreuze kann auf eine lange Vereinsgeschichte zurückblicken. Eine abwechslungsreiche Zeitspanne, die von den Rahmenbedingungen (gesellschaftlich, medizinisch, politisch, wirtschaftlich) unterschiedliche Anforderungen, zum Teil Hindernisse, aber auch Möglichkeiten geboten hat. Mit dieser historischen Betrachtung soll analysiert werden, welche Faktoren für das lange Bestehen gesorgt haben, gegebenenfalls sind diese auch in Zukunft der Schlüssel zur Fortführung der erfolgreichen Tätigkeit.

Ende 1893 formierte sich der „Verein vom goldenen Kreuze“ in Opatija (Ortsname vor 1918: Abbazia), ein Ort, der in der damaligen Monarchie als jung und aufstrebend galt, mit heutigen Worten gesagt, „hip und in“ war. Warum? Nun, es war die Eisenbahn, die das als Hinterland geltende Gebiet an der Adria erschloss und damit eine Region ideal für Luft- und Wasserkur ebenso wie später für Sommerfrische öffnete. Eben diese Kurmöglichkeit sollte allen Staats-Beamten zur Verfügung stehen und war das Hauptmotiv für die Vereinsgründung. Als oberste Protektorin seitens des Kaiserhauses konnte Kronprinzessin Erzherzogin Ste­phanie (1864–1945) gewonnen werden. Die Proponenten für die praktische Etablierung waren beispielsweise der Kurarzt in Opa­tija/Abbazia, der k. k. Statthalter in Triest und der Bezirkskommissar von Volosca. Finanziell wurde im Jahr 1894 durch Stiftungen, teils von oberster Stelle des Kaiserhauses, die Basis für die Umsetzung der Ziele gelegt. Die Eröffnung erfolg­te im November 1898, stand den Staats-Beamten – jedoch nur jenen der cisleithanischen Kronländer (exklusive der ungarischen Länder) – zur Verfügung.

Nach dem erfolgreichen Abschluss des ersten Projekts nahm man weitere in Angriff: die Errichtung zusätzlicher Kurhäuser in anderen Städten, die Gründung von Zweigvereinen und die Vergrößerung der Mitgliederzahl. In dieser – heute würde man sagen – Expansionsphase beschloss man, den Vereinssitz aus strategischen Gründen von Opatija/Abbazia nach Wien zu verlegen, wo er bis heute angesiedelt ist.
Auch wurden die inhaltlichen Aufgaben ergänzt und ab 1910 an die Führung einer Krankenanstalt für Beamte gedacht. Die Umsetzung dieses Vorhabens wurde maßgeblich durch die Stiftung von Frau Therese Wieser ermöglicht. Das spiegelt sich auch in der Namensgebung (Heinrich und Therese Wieser’sches Staatsbeamtenspital) bei der Betriebsaufnahme 1914 wider.
Zunächst, während des ersten Weltkrieges, diente das Gebäude allerdings als Kriegsverwundetenspital. Insgesamt fanden in dieser Zeit 1644 Soldaten Aufnahme. Am 9. Juni 1919 nahm das Staatsbeamtenspital seinen Betrieb auf.

Nach dem Ersten Weltkrieg war es zentral das Weiterbestehen zu sichern; sich selbst als Verein, aber auch Bereiche wie die Krankenpflege solide aufzustellen. Der Kurbetrieb sollte im Gebiet des heutigen Österreich ermöglicht werden (z.B.: Aflenz, Bad Hall).

Als diese Phase der Konsolidierung erreicht war, gab es den nächsten großen Bruch in der Geschichte. Während des Zweiten Weltkriegs wurden der Krankenhausbetrieb fortgeführt, jedoch ob der aufgezwungenen Auflösung des Vereins unter anderer Trägerschaft. Eine Situation, die noch 1945 aufgehoben wurde und im Dezember des gleichen Jahres konnte man mit der Vereinstätigkeit wieder beginnen. Es galt eine Krankenanstalt zu führen, die am Gebäude selbst Schäden davongetragen hatte, deren Dokumentation verloren gegangen war und um deren finanzielles Pouvoir es nicht allzu gut bestellt war. Auch musste man Sorge tragen, dass im Wege der Rückstellungskommission die Eigentumsverhältnisse bei den Sachwerten (z.B.: bei Gebäuden) und Vermögenswerten bestmöglich hergestellt wurden. Eine Herausforderung, der sich der Verein stellte und damit den Weg zur heutigen Goldenes Kreuz Privatklinik BetriebsGmbH in Wien (IX., Lazarettgasse 16–18) beschritt.

Es ist keine Selbstverständlichkeit, eine Vereinstätigkeit über so viele Jahre aufrecht zu erhalten. Beim Blick in die Vergangenheit konnten Tugenden herausgearbeitet werden, die das erfolgreiche Fortbestehen sicherten.

Persönlicher Einsatz

Blickt man in der Geschichte zurück, so gab es immer ein Gremium, das gemeinsam die Geschicke leitete; meist harmonisch, in eine Richtung gehend, weniger oft in Konfrontation – jedoch immer das Wohl des Vereins als Maxime im Hinterkopf. Daneben gab es aber auch immer Persönlichkeiten, die durch ihren Einsatz dem Wohl des Vereins maßgeblich dienten, ohne dabei in der ersten Reihe eine formale Funktion zu bekleiden.

Aus den Anfängen sei an dieser Stelle Anastasia Gräfin von Kielmansegg, Frau des niederösterreichischen Statthalters, gedacht. Sie schaffte mit unterschiedlichen Initiativen die Akquirierung von ausreichend finanziellen Mitteln um den Start (Ankauf von Grund, Bau von Gebäude) der ersten Kuranstalt in die Wege zu leiten.

Kreativität

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden mittels Wohltätigkeitsfesten und Lotterien finanzielle Mittel für die Umsetzung der ersten Projekte gesammelt. Später war der Betrieb eines Kinos in Hietzing (ab 1913) und auf der Wiedner Hauptstraße (ab 1920) taugliches Mittel, um den Krankenhausbetrieb zu subventionieren. Beim neuen Kurhaus in Opatija/Abbazia wurde der 2. Stock nicht für die Kuraufenthalte der Staats-Beamten verwendet, sondern vermietet, was der Finanzgebarung zuträglich war.

Zu jeder Zeit waren dies probate Mittel, die sorgsam umsetzt den entsprechenden Erfolg lieferten. Die jeweiligen Methoden sind – in die heutige Zeit transferiert – wohl nicht Mittel zum Zweck, jedoch mag man sich an den zum Teil kreativen sowie innovativen Herangehensweisen, die zu ihrer Zeit höchst erfolgreich waren, Anleihe nehmen.

Flexibilität (mit Unvorhergesehenem umgehen können)

Flexibilität war im Kleinen wie im Großen gefordert. Waren die Adaptierungsarbeiten 1914 so gediehen, dass der Spitalsbetrieb aufgenommen werden konnte, brachten es die politischen Umstände mit sich, dass eben nicht mit der Versorgung von Beamten begonnen werden konnte. Bis 1919 diente die Krankenanstalt als Kriegsverwundetenspital. Parallel konnten ab 1917 sieben Zimmer für den ursprünglichen Zweck herangezogen werden.

War die ursprüngliche Motivation zur Führung eines Spitals die Versorgung von finanziell nicht so gut gestellten Beamten in Krankheitsfällen, die allenfalls chirurgische Intervention benötigten, so waren es nach 1919 ökonomische Zwänge, die eine Ausweitung des Leistungsspektrums bedingten. Um eine bessere Bettenauslastung zu erreichen, wurde eine Gebärabteilung geschaffen. Diese Maßnahme erfüllte nicht nur kurzfristig ihren Zweck. Lange zeichnete sich dieser Schwer­punkt auch in der Benennung ab (Kranken- und Entbindungsanstalt vom Goldenen Kreuze) und ist bis heute identitätsstiftend.

Zeitgeschichtliche Hürden überwinden

In die lange Phase des Bestehens fallen auch zwei Weltkriege, deren Auswirkungen enorme Anstrengungen zum Weiterführen des Betriebs beanspruchten. War es nach dem Ersten Weltkrieg der Zusammenbruch der Monarchie, der auch für die Finanzierung einen neuen Zugang forderte, so war es im Zuge des Zweiten Weltkriegs die aufgezwungene Überleitung und Eingliederung des Vereins. Beides keine alltäglichen Momente, die außerordentliche Maßnahmen und besonderen Einsatz verlangten.

Reflexions- und Anpassungsfähigkeit

War der ursprüngliche Auftrag Ende des 19. Jahrhunderts, den Beamten Kuraufenthalte zu ermöglichen, so ist er heute der Führung einer Krankenanstalt gewidmet. Zum einem war dies nach dem Ersten Weltkrieg dem Wegfall von Einrichtungen geschuldet, zum anderen wurden vom öffentlichen Gesundheitswesen her Leistungen im Kursektor angeboten. Bei der Krankenanstalt wurde ursprünglich ein Bedarf erkannt, der bis heute mit angepasstem Leistungsspektrum besteht.

Die Gemeinschaft

Neben der Tugend Reflexions- und Anpassungsfähigkeit ist auch das Gegenteil, das Dauerhafte, zu nennen – die Gemeinschaft. Im Mittelpunkt stand und steht, finanziell benachteiligten Mitgliedern zu helfen; zum Beispiel durch Ermöglichung eines sonst nicht erschwinglichen Kur- bzw. Krankenhausaufenthalts. Von Anbeginn bis heute gleich geblieben ist das soziale Engagement, da im Sinne der Soforthilfe über alle Jahre hinweg Mitgliedern und deren Angehörigen geholfen wurde und wird. Die einzelnen Tugenden stehen für sich, jedoch sind sie auch untereinander verwoben und be­ein­flussen sich gegenseitig. Oft ist Kreativität mit dem Überwinden von Hürden gepaart. Persönlicher Einsatz wird bei beiden benötigt. In der Zusammenschau haben sie zu Kontinuität und Wandel beim Verein und somit zum langen Bestehen beigetragen.

Möge der Verein auch in Zukunft so agieren, wie er es in der Vergangenheit getan hat, mit Weitblick, den eigenen Grundsätzen treu bleibend, aber auch mit Mut und Willen zur notwendigen Veränderung. Historisch betrachtet ein Erfolgsrezept, das auch den gedeih­lichen Fortbestand in der Zukunft, wie die Anforderungen auch sein mögen, sichern kann.

Dr. Andrea Praschinger ist freiberufliche Medizinhistorikerin, lebt und arbeitet in Mauerbach