Ausstellung Josef Karl Rädler


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AUSSTELLUNG JOSEF KARL RÄDLER

Erste Personale des noch unbekannten, wieder entdeckten Outsider-Künstlers
Josef Karl Rädler – Porzellanmalermeister, lachender Philosoph,
Mitreformator, Menschheitsapostel, Hofmaler von Österreich, Siam und Italien

Ab 4. Oktober 2018 würdigt eine Personale das herausragende und bislang wenig bekannte Oeuvre des Outsider-Künstlers Josef Karl Rädler, das lang nach dessen Tod im Abfall entdeckt und vom Psychiater Leo Navratil 1994 erstmals ausgestellt wurde. Die Schau von Josef Karl Rädler, die in Zusammenarbeit mit der Galerie Altnöder/Salzburg, entstanden ist, bildet den Auftakt der Ausstellungstätigkeit der Österreichischen Gesellschaft vom Goldenen Kreuze, die künftig zweimal jährlich Präsentationen von Künstlern und Künstlerinnen der sogenannten Outsider-Szene veranstalten wird. Kuratorin ist Angela Stief.

Die Ausstellung läuft von 4. Oktober 2018 bis 6. Jänner 2019. Öffnungszeiten montags 10.00 bis 19.00 Uhr und gegen Voranmeldung.

„Brüder Freunde! Was kann’s noch Schöneres geben,
Als frohes gesundes Leben –
Reich an Intellect – Wissen und klarem Geist –
Natürliche Kunst stets neu belebt!
Arm an irdischen Gütern.
Im Nirwana gibt’s kein Leid
Gutes tun und besser werde, war – ist,
Ein schönes Leben hinter sich, gibt die
innere Ruhe und all’ ganzes Glück!!!“
Josef Karl Rädler

Die Anerkennung seines Oeuvres und die Begeisterung für seine künstlerische Tätigkeit, die andere mit ihm hätten teilen können, blieb Josef Karl Rädler Zeit seines Lebens verwehrt. Rädler, der 1844 in Falkenau, Böhmen, geboren wurde und 1917 in Wien starb, ist ein typischer Fall einer gesellschaftlichen Stigmatisierung und ein trauriges Beispiel eines Ausschlusses aus einem sozialen Gefüge, das seine ästhetischen Leistungen nicht honorieren wollte oder konnte.

Von der Familie ins Irrenhaus gebracht
Die Einzelausstellung in den neuen Räumlichkeiten der Österreichischen Gesellschaft vom Goldenen Kreuze würdigt nun das herausragende, über 100 Jahre alte Werk von Josef Karl Rädler. Bevor der Künstler 1893 wohl auf Veranlassung seiner Familie in das damals sogenannte Wiener Irrenhaus und später in die neu gebaute Kaiser Franz Joseph Landes-Heil- und Pflegeanstalt in Mauer-Öhling interniert wurde, war er Porzellanmalermeister und Leiter eines weltweit tätigen Unternehmens in Wien. Dann in der Isolation – weg gesperrt und für krank erklärt – entdeckte Rädler seine Obsession und begann auf Papier mit Aquarellfarbe, Tempera, farbiger Tinte und Tusche zu malen, zu schreiben und zu zeichnen. Er arbeitete fast jeden Tag und verbrauchte angeblich Unmengen von Papier für seine Bild-Text-Elaborationen, in denen er seinen „lieben Zeitgenossen“ unter vielem anderen auch rät, „nur das Gute, das Edle, das Schöne zu pflegen“. Rädler dokumentierte auf humorvolle und tiefsinnige Art und Weise die verhaltenen Stimmungen seines Alltags in der Klinik, fertigte Porträts der Patienten an, die er sowohl in den Innenräumen als auch in der Parkanlage der psychiatrischen Anstalt zeigte, stellte sie beim Spielen, Lesen, Baden, Essen, Trinken und Rauchen dar.

Philosoph, Chronist und obsessiver Zeichner des Alltags in der Klinik
Einen großen Teil der Blätter nehmen Texte in feiner, schwer leserlicher Schreibschrift ein, die Rädler häufig oberhalb von Linien platzierte, die er mit dem Lineal gezogenen hatte. Es sind sowohl zeitkritische Erläuterungen als auch poetische Ergüsse und moralische Empfehlungen, die er manchmal in Reimform verfasst hatte. Sie zeugen von seiner Wortgewalt und einer Vehemenz, mit der er seine Einstellungen wohl auch in seinem Alltag vertreten haben muss. Die zahlreichen Selbstbezeichnungen wie etwa Menschheitsapostel und Mitreformator, die auf den Arbeiten überliefert sind, lassen seine Gesinnung erkennen. „War immer Pazifist“ betonte er des Öfteren und erklärte: „Schaut her, welch’ schöner Pfad es ist als lachender Philosoph“.

Kurz nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs schreibt Rädler: „Es ist für ganz Europa eine Schande doch, daß Mensch gegen Mensch muß Krieg führen … Im Erwürgen und Morden, was ist da zu profitieren? – Menschen und Kulturen vernichten!!! – Wo die Menschheit will leben in Frieden! Macht aus Mordwaffen Blitzableiter und Pflugschaaren …”

Außerdem setzte er sich schon zu Beginn des Jahrhunderts für die Frauenrechte ein. 1916 schrieb er: „Nachkommen! Denkerinnen! Denker! Gebet den Frauen gleiche Rechte! Denn sie zeugen und säugen die Kinder! Nie mehr wollen sie sein diesen Lästermännern die Mägde!“ Trotz der Kritik, die Rädler in seinem Werk formulierte, erkennt man auch, dass er gelernt hatte, nicht mit seinem Schicksal zu hadern: „Mein Glück ist die Philosophie in der Freiheit. Juchhe! Juchhe! Meine Zufriedenheit, Bescheidenheit ist von der Kunst – Malerei, Poesie.“

In den 1960er-Jahren entdeckt – 1994 erstmals gezeigt
Die insgesamt über 1.000 doppelseitig bearbeiteten Blätter, die in den 1960er-Jahren lange nach dem Tod des Künstlers im Abfall einer Klinik entdeckt wurden, sind in einem unverbildeten Duktus – so hätte es der Erfinder der Art Brut, Jean Dubuffet, wohl genannt – ausgeführt. Rädler, der stets ein guter Beobachter seines Lebensumfeldes war und seiner Passion mit großer Akribie nachging, liebte den Detailreichtum: Er schmückte die Ränder seiner Bilder mit präzise gemalten Rahmen, die aus ornamentalen Mustern und vegetativen Ranken bestehen. Außerdem gibt es so gut wie keine unbearbeiteten Stellen auf den Blättern. Er hatte eine starke Neigung zum Punktieren und setzte einen horror vacui in Szene, der von seinem unermüdlichen Fleiß und seiner künstlerischen Leidenschaft zeugt.

Ein Teil des Werks besteht aus romantisch anmutenden Naturimpressionen, Bäumen, Blumen, Vögeln, roten Sonnenauf- und -untergängen sowie tiefblauen Nachthimmeln mit Mond und Sternen. Sie verleihen dem Werk einen poetischen Charakter mit eskapistischen Zügen. Rädler bildete auch den Verlauf der unterschiedlichen Jahreszeiten ab, sprießendes Grün und Knospen im Frühling, die Farbenpracht der Blumen im Sommer, reife Früchte und die Ernte im Herbst, die Kälte und den weißen Schnee im Winter. „Er malte verschiedene Vogelarten im Geäst der Bäume, in ihrer natürlichen Umgebung, auf Leitungsdrähten sitzend oder im Fluge. Rädler malte auch exotische Vögel unter Palmen, im dschungelartigen Dickicht, Kakadus und Strauße“, schrieb der österreichische Psychiater Leo Navratil, der den Künstler 1994 erstmalig ausstellte und eine Monografie über ihn publizierte, über die pittoresken Naturdarstellungen. Man erkennt darin aber auch die Selbstironie des Künstlers, da er sich so über die Redensart „einen Vogel haben“ lustig machte.